Aktuelles

ADHS als Medienthema

Die Kritik an der Diagnose ADHS und der Behandlung der Betroffenen hat derzeitig in den Medien wieder Hochkonjunktur. Zu allen Berichten Stellung zu beziehen ist zeitlich nicht möglich. Hier soll auf 3 aktuelle Berichte eingegangen werden, die in zahlreichen Zeitungen zitiert und kommentiert werden.

  1. Barmer GEK Arztreport 2012: Im Arztreport selbst erscheint der Begriff „ADHS“ nicht. In der Pressemitteilung der Barmer GEK heißt es, dass mittlerweile jeder 10. neunjährige Junge (9,6%) und 6% der 9jährigen Mädchen zum Psychiater/Neurologen gehen, 60% der Jungen und 40% der Mädchen mit der Diagnose ADHS. Diese Aussagen sind sehr unsauber und damit auch sehr kritisch zu sehen: es handelt sich ja wohl überwiegend nicht um Neurologen/Psychiater, sondern um Kinder- und Jugendpsychiater, Neuropädiater und SPZs. Es wird auch nicht getrennt, ob es eine Abrechnungsdiagnose mit der Fragestellung ADHS ist, oder eine Krankheits- und Behandlungsdiagnose. Und es wird die Frage nach einer „Modekrankheit“ aufgeworfen. Diese Aussagen wurden von den Medien gierig aufgesaugt und vereinfacht in vielen Regionalzeitungen weiter verbreitet (Dazu auch ein Kommentar von ADHS-Deutschland).
  2. Im Spiegel Nr. 6/6.2.2012 lässt sich Jörg Blech unter dem Titel „Die gestresste Seele“ neben „Burn-out“ und „Depression“ ganz nebenbei auch über ADHS aus. Dabei werden die Klischees wiederholt, die z.B. schon im Spiegel Nr. 29/15.7.2002 verbreitet wurden („erfundene Krankheit“), nur dass jetzt auch noch endlich der Erfinder von ADHS – Leon Eisenberg – benannt wird. Wissenschaftlichen Fakten entspricht das Ganze jedoch nicht. Auch diese Aussagen werden in anderen Blättern als Tatsachen aufgegriffen und wiederholt.
  3. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 12.2.2012 Nr. 6 widmet dem Thema sogar die Seiten 1-3, mischt wenige, dünne Fakten mit Meinungen und aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten, fügt einige Politikeraussagen (die das Gleiche schon vor Jahren gesagt und die Gelegenheit zur Diskussion mit den Betroffenen nicht wahrgenommen haben) hinzu, ziert das Ganze mit der roten Riesenkugel der verordneten Methylphenidat-Menge und kommt so der Laienvorstellung der unfähigen Eltern und der begeistert Medikamente verordnenden Ärzte entgegen. Das Leiden der Kinder und ihrer Familien wird ausgeblendet, die Wirkung der Medikamente ins Negative verkehrt und die Ängste vor Nebenwirkungen geschürt.

Gegen diesen schlechten Journalismus zu argumentieren ist sinnlos, denn alles Sachliche dazu ist an vielen Stellen schon gesagt und nachlesbar (z.B.http://www.adhs.info/).

Die zitierten Ärzte wurden missverstanden, ihre Aussagen verkürzt und in einen anderen Zusammenhang gestellt oder sinnentstellend verknüpft. Leider geht man, wenn man sich auf Interviews oder die Zusammenarbeit mit den Medien einlässt – in der Hoffnung mehr Sach- und Fachwissen zu verbreiten – immer ein hohes Risiko ein, für andere journalistische Ziele missbraucht zu werden

Wie ADHS sinnvoll zu diagnostizieren und zu behandeln ist, steht in unserer Leitlinie (www.ag-adhs.de), wie man das praktisch umsetzt, kann man im Durchführungsprotokoll des Zentralen ADHS-Netzes nachlesen und um eine angemessene Honorierung für diese wichtige Arbeit kämpft die AG ADHS der Kinder- und Jugendärzte e.V. mit den BVKJ zusammen seit Jahren.

Informieren Sie sich bei uns und anderen seriösen Informationsstellen:www.BZGA.de.

Als Kinder- und Jugendarzt werden Sie Mitglied in der AG ADHS, arbeiten bei uns mit und betreuen die Patienten mit einer ADHS und ihre Familien sachgerecht, dauerhaft und frei von Zeitgeist und Ideologien!

Lassen Sie sich nicht von den Medien falsch informieren, verschrecken und von der eigentlichen ärztlichen Arbeit abhalten.

Dr. Klaus Skrodzki, Stellvertretender Vorsitzender der AG ADHS der Kinder- und Jugendärzte e.V., Februar 2012

Weitere Informationen auf den Seiten der Selbsthilfe ADHS-Deutschland e.V. mit einem Kommentar des 2. Vorsitzenden Dr. Johannes Streif unter www.adhs-Deutschland.de