Neurofeedback bei ADHS

Grundlagen, wissenschaftliche Datenlage, Effektstärke, Anwendungsbeispiele, Ökonomie der Behandlungsform und Orientierung für Einsteiger

Dr. med. Hans-Jürgen Kühle, Kinder- und Jugendarzt und Neuropädiater, Biofeedbacktherapeut und Neurofeedbacksupervisor der DGBFB e.V., Giessen, www.dr-kuehle.de

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Zusammenfassung:  

Mit Biofeedback wird die Rückmeldung von Körpersignalen an den Menschen z. B. über Ton oder Bildschirm bezeichnet. Der Mensch kann dadurch lernen, Kontrolle über Verhaltenszustände zu gewinnen und diese zur Verbesserung der eigenen Lebensqualität zu nutzen. Biofeedback und Neurofeedback können bei vielen chronischen Krankheiten und Befindlichkeitsstörungen wirksamere Hilfen sein und sind bei einigen Störungen (wie bei Migräne z. B.) medikamentösen Hilfen überlegen (1). Auch bei ADHS erleichtern feedbackgesteuertes Atemtraining und Muskelentspannung auch den kleinen Patienten, sich zu sammeln und Selbstwirksamkeit (wieder) zu erfahren (s. Abschnitt 5).

Neurofeedback ist Biofeedback der Hirnaktivität. Die Aktivierung der Hirnrinde ist bei der Mehrheit der ADHS-Patienten gestört in der Form, dass die langsamen EEG-Frequenzen dominieren, obwohl die Kinder aufmerksam sein wollen. Ein Training der EEG-Aktivierung bewirkt bei vielen günstige Verhaltensänderungen in Richtung besserer Selbststeuerung.

Neue Studien konnten Wirksamkeit und Spezifität der Wirkung von Neurofeedback bei ADHS zeigen (14-18, 36-38). Aber nur die Hälfte der behandelten Patienten erreichte in Eltern- und Lehrerratings eine Verbesserung von mindestens 25%. Eine abschließende Bewertung ist derzeit noch nicht möglich. Die Datenlage zur Evidenz der Neurofeedbacktherapie ist nicht mit der Datenlage zur Stimulanzientherapie vergleichbar.

Die für die praktische Anwendung wichtigsten Studienergebnisse werden im Folgenden dargestellt. Für die Anwendung im Einzelfall geben Gruppenergebnisse aber nur begrenzte Orientierung. Deshalb werden Vorschläge aus der eigenen Erfahrung und von erfahrenen Experten vorgestellt.

Wichtigste Voraussetzung für erfolgreiche Neurofeedbackbehandlung bei ADHS in der Praxis ist die gute Motivation des Patienten von der ersten bis zur letzten Sitzung und seine Bereitschaft, zu Hause weiter zu üben. Dazu müssen auch die Eltern informiert und motiviert sein.

Der Artikel beschreibt auch die Erfahrungen bei der Umsetzung des Neurofeedbacktrainings bei ADHS in einer Kinder- und Jugendarztpraxis und die Ökonomie der Behandlung.

Schlüsselwörter: ADHS – Neurofeedback – Biofeedback – Effektstärke – operantes Lernen - Ökonomie

Inhalt

  1. Einleitung: Nachhaltige Behandlung der ADHS – sind wir mit Neurofeedback auf dem Weg dahin? 
  2. Neurofeedback bei ADHS: Grundlagen der elektrischen Aktivität im Gehirn – das EEG und seine Trainierbarkeit sowie Vorstellung der verschiedenen Verfahren
  3. Ergebnisse des Neurofeedbacktrainings bei Kindern mit ADHS in der wissenschaftlichen Literatur, die für die praktische Anwendung bedeutsam sind  
  4. Effektstärken der Neurofeedbackbehandlung bei ADHS im Vergleich zu anderen Interventionen 
  5. Erfahrungen aus meiner praktischen Anwendung  
  6. Therapieablauf und Ergebnisse an zwei Fallbeispielen 
  7. Für wen eignet sich welches Verfahren? Neurofeedback als Ergänzung oder Alternative? Dosisreduktion von Medikamenten durch Neurofeedbacktraining?
  8. Welche Hilfe bietet QEEG für die Auswahl der Behandlungsstrategie?
  9. Ereigniskorrelierte Potentiale (ERPs) und Neurofeedback 
  10. Nebenwirkungen: Was passiert, wenn falsch über den falschen Ableitepunkten trainiert wird? 
  11. Was zu einer guten Behandlung gehört
  12. Wo kann man als Einsteiger Kenntnisse über die Methode und Geräte erwerben?
  13. Lohnt sich der Einstieg jetzt? Kosten und Nutzen 
  14. Literatur  
  15. Danksagung 

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Zusammenfassungt:
 
Mit Biofeedback wird die Rückmeldung von Körpersignalen an den Menschen z. B.
über Ton oder Bildschirm bezeichnet. Der Mensch kann dadurch lernen, Kontrolle
über Verhaltenszustände zu gewinnen und diese zur Verbesserung der eigenen
Lebensqualität zu nutzen. Biofeedback und Neurofeedback können bei vielen
chronischen Krankheiten und Befindlichkeitsstörungen wirksamere Hilfen sein und
sind bei einigen Störungen (wie bei Migräne z. B.) medikamentösen Hilfen überlegen
(1). Auch bei ADHS erleichtern feedbackgesteuertes Atemtraining und
Muskelentspannung auch den kleinen Patienten, sich zu sammeln und manchmal
erstmals Selbstwirksamkeit (wieder) zu erfahren.
 
Neurofeedback ist Biofeedback der Hirnaktivität. Die Aktivierung der Hirnrinde ist bei
der Mehrheit der ADHS-Patienten gestört in der Form, dass die Amplituden der
langsamen Frequenzen trotz Wachheit dominieren. Das Training der Aktivierung
bewirkt günstige Verhaltensänderungen in Richtung besserer Selbststeuerung. 
 
Neue Studien konnten Wirksamkeit und Spezifität der Wirkung von Neurofeedback
bei ADHS zeigen, das Ausmaß der Evidenz ist aber nicht mit der Datenlage zur
Stimulanzientherapie vergleichbar. Die für die praktische Anwendung wichtigsten
Studienergebnisse werden im Folgenden dargestellt. Für die Anwendung im
Einzelfall geben Gruppenergebnisse aber nur begrenzte Orientierung. Deshalb
werden Vorschläge aus der eigenen Erfahrung und von erfahrenen Experten
vorgestellt.
Wenn das Verfahren eine breitere Anwendung auch unter Kinder- und Jugendärzten
finden könnte, würde durch Informationsaustausch das anwendungsorientierte
Wissen sicher verbreitert und die praktische Arbeit erleichtert werden. 
Wichtigste Voraussetzung für erfolgreiche Neurofeedbackbehandlung bei ADHS in
der Praxis ist die gute Motivation des Patienten von der ersten bis zur letzten Sitzung
und seine Bereitschaft, zu Hause weiter zu üben. Dazu müssen auch die Eltern
informiert und motiviert sein. 
 
Der Artikel beschreibt auch die Erfahrungen bei der Umsetzung des
Neurofeedbacktrainings bei ADHS in einer Kinder- und Jugendarztpraxis und die
Ökonomie der Behandlung. 
 
Schlüsselwörter: ADHS – Neurofeedback – Biofeedback – Effektstärke – operantes
Lernen - Ökonomie
 
Inhalt: 
 
1.  Einleitung: Nachhaltige Behandlung der ADHS – sind wir mit Neurofeedback
auf dem Weg dahin?