AG ADHS - Arbeitsgemeinschaft ADHS
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ADHS-Verträge

Stellungnahme der AG ADHS zu „ADHS-Verträgen“ – November 2010

Die AG ADHS bemüht sich in Zusammenarbeit mit dem BVKJ seit Jahren um Verträge zur extrabudgetären Vergütung (bei Zusatzqualifikation) der zeit- und arbeitsintensiven Leistungen von Kinder- und Jugendärzten bei der Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit ADHS.

Ziele der AG ADHS bei diesen Verhandlungen waren und sind die Eckpunkte:

  • Qualitätsstandards für Diagnostik und Therapie orientiert an den Leitlinien
  • Multimodale Therapie am individuellen Bedarf der Patienten orientiert, erforderlichenfalls unter Einbezug weiterer wesentlich an der Versorgung beteiligter Fachgruppen
  • Regional abgestimmte interdisziplinäre Zusammenarbeit
  • Möglichst einheitliche vertragliche Regelungen für Qualitätsstandards und Vergütung bundesweit
  • Ausgleich der Honorierungslücke für Leistungen der Kinder- und Jugendärzte bei der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit ADHS

Den Abschluss solcher Verträge halten wir für dringend erforderlich, um die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit ADHS mittel- und langfristig sicher zu stellen. Die Versorgung dieser Patienten ist nur dann zu gewährleisten, wenn auch weiterhin genügend Kinder- und Jugendärzte bereit sind, diese leistungsaufwendigen Patienten erfordernisgerecht zu betreuen. Bislang fehlen im EBM Ziffern, nach denen Pädiater diese Leistungen honorarwirksam abrechnen könnten. Um das für die Versorgung dieser Patienten unverzichtbare pädiatrische Engagement aufrecht zu erhalten und zu fördern, ist es dringend notwendig, diese Honorierungslücke zu schließen. Dies kann durch Selektivverträge zur ADHS-Versorgung mit extrabudgetärer Vergütung bei Zusatzqualifikation erreicht werden. Anzustreben ist darüber hinaus – und auch als Absichtserklärung des KBV-Vorstands angekündigt – , dass selektivvertragliche Regelungen in den Kollektivvertrag übernommen werden, indem „Spezialisierte Versorgung bei ADHS“ als neuer Abschnitt in den EBM aufgenommen wird mit Leistungsziffern, die dann auch von Pädiatern außerhalb der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung abgerechnet werden könnten.

Über viele Jahre sind die Verhandlungen von AG ADHS und BVKJ zu ADHS-Verträgen erfolglos verlaufen. Entweder scheiterten sie bei Verhandlungen über KVen am Einspruch der anderen Fachgruppen oder sie wurden kurz vor Abschluss von Krankenkassen beendet.

Der Durchbruch gelang schließlich mit dem „Vertrag zur qualitätsgesicherten Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit ADHS/ADS“, der in der KBV-Vertragswerkstatt gemeinsam von den Fachgruppen der Kinder- und Jugendärzte, der Kinder- und Jugendpsychiater und der Psychotherapeuten entwickelt wurde. Erstmalig wurde dabei auf berufsverbandlicher Bundesebene zwischen diesen Fachgruppen ein Konsens zu Standards für Diagnostik und Therapie vereinbart, orientiert an den deutschen Leitlinien. Die Modalitäten der interdisziplinären Zusammenarbeit wurden in den Vertrag aufgenommen. Der Vertrag erfüllt die oben aufgeführten Eckpunkte der AG ADHS zu ADHS-Verträgen.

Die Verhandlungen begannen 2006. Der Vertrag wurde 2008 von der KBV veröffentlicht und wird seit April 2009 in Baden-Württemberg zwischen der KBV, der KV BW und der BKK-Vertragsarbeitsgemeinschaft BW umgesetzt. Dieser Vertrag wurde mehrfach im Honorarausschuss des BVKJ vorgestellt. Es wurde empfohlen, künftige Vertragsverhandlungen an diesem Muster auszurichten. – Bisher ist es nur in der KV Bremen mit der AOK Bremen/Bremerhaven für den Stadtbereich Bremerhaven gelungen, einen weiteren am ADHS-KBV-Vertrag orientierten Vertrag abzuschließen. Er tritt zum 01.01.2011 in Kraft.

Inzwischen wurde in Nordrhein-Westfalen mit Wirkung zum 01.10.2010 ein Vertrag mit extrabudgetärer Vergütung pädiatrischer Leistungen bei ADHS zwischen der KV Nordrhein, der BVKJ-Service-GmbH und der AOK Rheinland/Hamburg abgeschlossen.

Damit haben zumindest die Kinder- und Jugendärzte in Nordrhein eine bessere, aber noch nicht angemessene Vergütung ihrer Leistungen bei der Versorgung von Patienten mit ADHS erreicht, zumal dieser Vertrag mit einer klientelstarken Krankenkasse abgeschlossen wurde. Dass damit im Vergleich zur bundesweit bestehenden Honorarmisere ein Schritt zur Verbesserung der Honorar- und Versorgungsbedingungen erreicht wurde und darin die Qualitätsstandards des ADHS-KBV-Vertrags zur Diagnostik und Therapie weitgehend enthalten sind, begrüßen wir. Wir hätten uns aber gewünscht und haben dies auch zeitig gegenüber den BVKJ-Verhandlern in Nordrhein deutlich gemacht, dass zu Beginn der Verhandlungen die anderen im ADHS-KBV-Vertrag beteiligten Fachgruppen informiert worden wären.  

Interdisziplinäre Abstimmung regional vor Ort bei der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit ADHS wird von der AG ADHS seit langem empfohlen und ist auch Bestandteil der Empfehlungen der pädiatrischen Leitlinie. Interdisziplinäre Zusammenarbeit wird vielerorts in Qualitätszirkeln und regionalen ADHS-Netzen erfolgreich umgesetzt.    

Regional und auf einzelne Krankenkassen beschränkte Einzelverträge sollten sich am Muster des KBV-Vertrages ausrichten mit möglichst einheitlichen Vereinbarungen zu Qualitätsstandards, Vergütung und Regelungen zur interdisziplinären Zusammenarbeit.

Die Vergütung sollte sich an den in Baden-Württemberg und Bremerhaven vereinbarten Beträgen orientieren.

Wir empfehlen, dass bei künftigen ADHS-Vertragsverhandlungen die Kinder- und Jugendpsychiater und die Psychotherapeuten rechtzeitig informiert und einbezogen werden. Sie können dann selbst im weiteren Verlauf entscheiden, ob es ein gemeinsamer Vertrag werden kann und wie sie sich in die interdisziplinäre Versorgung einbringen.

In Baden-Württemberg wird derzeit in Zusammenarbeit von KV BW, KBV und aller am Vertrag beteiligten Fachgruppen daran gearbeitet, die Vergütungsregelung so umzugestalten, dass dort der ADHS-Vertrag als add-on-Vertrag (ohne Bereinigung) weitergeführt werden kann. Dazu sollen die bisherigen Sonderziffern abgelöst werden durch „EBM-fähige“ an bestehende EBM-Ziffern anzuhängende Zusatzpauschalen, die die zusätzlich im Rahmen des ADHS-Vertrages erbrachten Leistungen abbilden. Diese Arbeiten sollen auch dazu dienen, Abrechnungsziffern und Leistungslegenden für einen EBM-Abschnitt „Spezialisierte Versorgung bei ADHS“ vorzubereiten. Wenn wir dieses Ziel einer kollektivvertraglichen Regelung der Vergütung von Leistungen bei ADHS erreichen wollen, die dann auch Pädiatern und für alle gesetzlichen Krankenkassen verbindlich zur Verfügung steht, kann dies nur in einvernehmlicher Zusammenarbeit aller dabei beteiligten Fachgruppen geschehen.

Dr. Kirsten Stollhoff (Vorsitzende), Dr. Klaus Skrodzki (stellvertretender Vorsitzender), November 2010