AG ADHS - Arbeitsgemeinschaft ADHS
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Stellungnahme zum Sternartikel: Janis ist eines von Hunderttausenden Kindern, die mit Ritalin ruhiggestellt werden. Der Stern zeigt: Es geht auch anders

Sehr geehrter Herr Hauser

Beeindruckend, welche Veränderungen und Entwicklungen Kinder mit ADHS durchmachen, wenn man sie, obwohl dank des multimodalen Therapieansatzes im häuslichen und schulischen Umfeld gut integriert, in eine Extremsituation bringt.

Ohne Medikation, dafür aber in einer unrealistischen Scheinwelt mit Intensivbetreuung. Der Gewinn für die Kids: keine Medikation, aber Abenteuer pur. Der Preis: 8 Wochen Isolation, 8 Wochen Abhängigkeit von einer Person,8 Wochen herausgerissen aus dem sozialen Umfeld.

Und kein Wort darüber, wie es den Kids erging, als sie in ihren Alltag zurückkehrten. Was ist aus den Kids geworden? Haben Sie, außer 8 Wochen „Abenteuer“, wirklich von der Maßnahme im Alltag profitiert? Warum berichten Sie nicht auch darüber? Ist das Inhalt eines weiteren Artikels? Ist das nicht berichtenswert? Muß man es gar verschweigen?

Die Probleme mit denen Menschen mit ADHS fertig werden müssen, sind vielfältig. Die notwendigen Maßnahmen sind zum Teil sehr einschneidend, nicht nur die Medikation. Deshalb sollten „Experimente“ wie die von Ihnen beschriebenen sehr kritisch gesehen werden. Um solche unter ethisch einwandfreien Bedingungen durchführen zu dürfen, bedarf es einer exakten wissenschaftlichen und ethischen Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung unabhängiger Gremien.

Auch muss klar sein, daß wir bei den Betroffenen nicht unrealistische Erwartungen wecken, die im Alltag nicht befriedigt werden können.

Gerne können wir dies in einem konstruktiven und offenen Dialog diskutieren. Sie sind herzlich eingeladen, Sich darauf einzulassen.

Mit freundlichem Gruss

Für die AG ADHS

Dr.Matthias Gelb